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Alte Sorten

Ein Buch, ganz nach meinem Lesegeschmack! Das Cover lässt eine Geschichte aus der guten alten Zeit vermuten, doch es ist eine Roman der Jetztzeit, mit großartiger Entwicklung der Personen.

Ich roch das Grün im gemahlenen Roggen, Diesel aus dem Tank, die Maische in der Feuchte des Kellers, bekam Ahnung von unterschiedlichen Geschmacksnuancen der Birnen.

Liss, Mitte 50, liest in ihrem Weinberg die siebzehnjährige Sally auf. Sie lässt Sally in Ruhe, fragt nicht nach, zerrt nicht an ihr. Allmählich wird aber trotzdem klar, dass sie aus einer Klinik abgehauen ist. Auch Liss bleibt vorerst eine Unbekannte, die Sally Herberge anbietet und sie ab und an um Mithilfe bei der Ernte bittet. Schnell wird klar, dass Liss bestimmt nicht immer alleine am Hof gelebt haben kann. Beide Frauen tasten sich einander an, die eine behutsam, die andere provokant und aufmüpfig. Liss hat noch nie jemanden gesehen, der alles so einsaugt wie Sally, den Schmerz des Bienenstichs, jedes Geräusch, jeden Geschmack, jedes Bild.

Ewald Arenz schrieb ein Wechselspiel von tiefen Sehnsüchten und absoluter innerer Leer, von Verlust und Heimatlosigkeit, von Freundschaft und großen Entscheidungen, von Nutzen und Bestimmung. Das Buch wandert in den Pott meiner Jahreshighlights!

„Alte Sorten“ kann derzeit gerade bei Marias Lesekreis (gegründet von DER Ocelot-Buchhändlerin Maria Christina Piwowarski) gemeinsam gelesen werden. Die erste, spoilerfreie Diskussion ist am 30.8., die abschließende am 13.9.

Wer sich jetzt fragt: „Wann soll ich denn dieses Buch noch lesen?“ dem kann ich nur sagen, das Buch beginnt mit dem ersten September. Das wär doch ein idealer Beginn!

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