Vati Buch Rezension Monika Helfer Buchtipp

Das erste große Lese-Highlight für 2021

Das Buch „Vati“ von Monika Helfer hat mich äußerst berührt. Immer wieder dachte ich, welch guten Sätze, wie gut und ohne Überfluss sind sie formuliert. Würde ich meinem Vater im Rückblick so nahe kommen können?

Nach „Die Bagage“ setzt Helfer nun ihrem Vater ein literarisches Andenken.

„Wir sagten Vati. Er wollte es so. Er meinte, es klinge modern. Er wollte vor uns und durch uns einen Mann erfinden, der in die neue Zeit hineinpasste. An dem eine andere Vergangenheit abzulesen wäre.“

Das sind die ersten fünf Sätze des Buches. Schon war meine Neugierde geweckt. Wer ist dieser Vati?

Aufgewachsen in Mariapfarr im Lungau besaß er so gut wie nichts, vielleicht den Dreck unter den Fingernägeln, gewiss aber einen hellen Kopf. Noch vor dem Schuleintritt konnte er lesen. Er durfte im Haus des reichen Baumeisters, der einen eigenen Raum als Bibliothek hatte, lesen. Doch lesen war ihm zu wenig, er wollte die Bücher besitzen.

Als Heimkehrer mit Beinprothese führte er das Kriegsopfer-Erholungsheim auf 1200 m in einem paradiesischen Vorarlberger Almgebiet. Auch eine Bibliothek darf er dort verwalten. Zeitlebens werden immer wieder Bücher sein Schicksal stark streifen.

Monika und ihre Geschwister wachsen dort oben in den Bergen glücklich heran. Doch Glück ist immer nur fassbar, wenn man schon das Unglück kennt.

Ach, eigentlich würde ich noch viel mehr über Vati verraten wollen, doch lest lieber selbst die 170 Seiten. Sie sind so gut.

Letzten Dienstag führte Linda Dreier @pagesonpages für die Bibliotheken Wien eine Gesprächsrunde zum Buch. Wir beleuchteten das Buch ganz intensiv von allen Seiten. Ich liebe es, mit anderen über gelesene Bücher zu sprechen.

Dieses Buch empfehle ich wirklich uneingeschränkt allen! Man muss „Die Bagage“ nicht zwingend davor gelesen haben, obwohl sie fast so gut wie „Vati“ ist.

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