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Große Herzens-Empfehlung: Das Haus der Frauen

Ein kraftvolles Buch über den Palast, ein Zufluchtsortsort für Frauen aus der ganzen Welt

von Laetitia Colomanbani (Der Zopf), erschienen 2020 im S.Fischer-Verlag, aus dem Französischen von Claudia Marquardt

Die Pariser Star-Anwältin Sloène erlebt einen Zusammenbruch. Unmittelbar nach einem verlorenen Prozess stürzte sich ihr Mandant vom Gerichtsgebäude in den Tod. Nach vielen Wochen des Burnouts nimmt sie die ehrenamtliche Tätigkeit „Schreiberin“ im Palast der Frauen an. Im Auftrag der Bewohnerinnen, Gestrandete aus allen Ländern, schreibt sie Ansuchen, emotionale Briefe, Beschwerden. Mit großer Zurückhaltung und Skepsis tasten sie sich einander an.

Man führt Menschen die Feder, die darauf angewiesen sind, leiht ihnen Worte, wie ein Bote, der übermittelt, ohne zu bewerten. Binta ist von so weit her, aus Guinea, geflohen. Es ist an Solène, sie wieder ihn ihr Land, sie durch Worte ihrem Sohn zurückzubringen.

Solène lässt sich allmählich von den Schicksalen der Frauen stark berühren, ganauso, wie ich beim Lesen emotional mitgerissen werde. Der Autorin gelingt das hervorragend ohne in eine Mitleidsschiene oder ins Kitschige zu geraten.

Der zweite Erzählstrang berichtet von Blanche im Paris um 1925. Sie hat ihr ganzes Leben dem Helfen gewidmet.

„Ich kann kein Leid sehen, ohne mir zwei Fragen zu stellen: Wo liegt der Grund dafür, und was könnte ich tun, um Abhilfe zu schaffen?“

Laetitia Colombani ist pure Nächstenliebe und überzeugter Feminismus in Person, wobei die Autorin beide Bezeichnungen nie im Buch verwendet, sie aber sehr gelungen so charakterisiert. Als sie eine obdachlose Frau mit ihrem Neugeborenen in einem Schuppen findet und schon mehrere Häuser für Heimatlose eingerichtet hat, kauft sie wagemutig und mit großem finanziellen Risiko ein ehemaliges Hotel mit 743 Zimmern. Es wird zum Palast der Frauen.

Blanches Leben erinnert mich sehr an Ute Bock, die ähnliches in Wien leistete und sogar an manche Heiligenlegende, doch nie triftet das Buch ins Verklärte ab.

Lest dieses Buch, lasst euch berühren, sinnt den 253 Seiten nach.

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