Christine Neureiter-Schlack Literatur aus Österreich und anderswo Lesetipps glesnundgschriem.at glesn und gschriem chrisinsta.liest

Die Infantin trägt den Scheitel links

Die Mistgabel zieht noch ihren Kuhfladendunst nach, mit der Helena Adler ihre Figur „Die Infantin“ einen Spießrutenlauf durch die Großsippschaft am Flachgauer Bauernhof rennen lässt. Vor allem die älteren Zwillingsschwestern machen ihr das Leben zur Hölle. Der Vater, versoffen und hochverschuldet,  ist ihr Gutmensch, die Mutter eine bigotte Katholikin. Die Infantin fantasiert und fabuliert sich aus dem Erdrückenden heraus, so gewieft, dass man als Leserin manchmal eine Stelle ein zweites Mal lesen will. Überhaupt, „Die Infantin trägt den Scheitel links“ ist kein Buch zum  Durchflutschen, zu wortreich und feinstens konstruiert sind die Sätze. Die muss man schon ein bisschen genießen, markieren oder ihnen einfach huldigen. Wie kann man nur so einfallsreich schreiben, inklusive Humor? „Und ich wünschte, sie hätten eine Lebensmittelvergiftung, ich wünschte, ich hätte die Macht, sie zu vergiften, ihnen Tollkirschen ins Kompott zu mischen. Ihnen ihre blonden Zöpfe am Ansatz abzuschneiden, ohne die sie nichts mehr sind. Ihnen mit ihren Eislaufschuhen die Schädeldecke zu öffnen, um ihr Hirn zu sezieren. Doch im Hohlraum sitzt nur ein Zwerg mit Schal und Decken, der sagt: „Mach zu, es zieht!“ Ein bisschen eigene Land-Kindheit habe ich auch gelesen:

„Ich laufe zum alten Adeg, kaufe Beverly-Hills-Pickerl…“

Hach, ich könnte noch viel zitieren.

Der Salzburgerin Helena Adler (Stephanie Helena Prähauser) ist ein überspitzes, großes Debüt gelungen, herrlich zu lesen.

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