Nicht nur zur Weihnachtszeit – Heinrich Böll

Na, schon leichte Lust den Christbaum abzukranzen, wie es bei uns in Salzburg heißt? (Knut nennen es die Schweden.)

In Heinrich Bölls Kurzgeschichte beginnt Tante Milla zu Lichtmess 1947 hysterisch zu schreien, als man damit beginnen möchte. Kein zu Rate gezogen Arzt kann Linderung herbeiführen. Ihr Schreien stoppt erst, als man wieder den Christbaum aufstellt und ab nun täglich Heiligen Abend feiert, Sommer wie Winter, mit allen Kindern, Enkeln, dem Pfarrer, Spekulatius, Lametta und vor allem mit Christbaumschmuck: vor allem mit Zwerglein, die auf Glocken schlagen und einem Engel an der Spitze, der Frieden haucht.

Der Christbaum war ab 1940 „das Einzige, auf das die Tante im Krieg verzichten musste“, die Ballistik der Bomben gefährdete zu sehr den filigranen Schmuck.

Lange spielte die Familie mit, ehe man die Enkel durch Wachspuppen ersetzten und immer mehr Familienmitglieder sich durch engagierte Schauspieler vertreten ließen. Während sich Tante Milla durch die tägliche Tannenbaumtherapie bester Gesundheit erfreut verfällt der Test der Familie. (Fremdgehen, Wechsel von Katholizismus zu Kommunismus, Lebensmüdigkeit, Auswanderung…)

Eine herrlich komische, erste Satire Bölls, mit vielen weisen Andeutungen. Eine große Leseempfehlung, auch für alle anderen Kurzgeschichten in diesem Band. Die Satire wurde auch als Hörspiel aufgenommen und 1970 verfilmt. (zu finden auf YouTube)