Kim Joyoung geboren 1982 Cho Nam-Joo Kiebenheuer&Witsch Kiwi-Verlag Christine Neureiter-Schlack glesnundgschriem Buchblog Rezension

Südkorea: Kim Joyoung, geboren 1982 von Cho Nam-Joo

Druck, Druck, Druck. Südkoreanische Frauen stehen unter enormen Leistungsdruck. In der Schule, im Beruf, wenn sie denn überhaupt eine Anstellung finden, und zudem sollen sie Söhne statt Töchter gebären. In allen Bereichen ihres Lebens werden sie gegenüber Buben und Männer benachteiligt, müssen devot vor allen buckeln und zudem noch sexuell belästigt. Gefühle bleiben da auf der Strecke. In nüchternem Ton und untermauert mit Statistiken in den Fußnoten erzählt Cho Nam-Joo von Kim Jiyoung, 33, Akademikerin, Mutter einer Tochter, verheiratet. Im Herbst 2015 beginnt sie, sich komisch zu verhalten. Der Roman blickt auf ihr bisheriges Leben zurück.

Für Mitteleuropäerinnen ist es komisch zu lesen, von ewigem devot sein gegenüber Vätern, Brüdern, Chefs. Gerade beim Lesen dieses Buches wird bewusst, dass bei uns schon viel an Gleichstellung von allen geschehen ist, wie wohl noch mehr ginge.

Mir stellte sich die Frage, warum ist es bei uns bereits gelungen und Korea verhaftet weiterhin in der absoluten Bevorzugung von Männern in allen Bereichen. Ich vermute, es ist vor allem der Zwang zum Perfektionismus. Koreanische SchülerInnen besuchen beinahe alle Schule und Nachhilfeinstitut, arbeiten unermüdlich und hart, gestatten sich keine Fehler. Wir Österreicher haben eine ganz andere Mentalität, die auch oft einmal von „schau ma Mal“ ausgeht, Gefühle und Zeiten des Ausrastens bestimmen ebenfalls unser Leben. Wir Frauen trauen uns in höhere Positionen, trauen uns, einem Mann zu kontern, trauen unseren Männern zu, etwas Essbares auf den Tisch zu bringen und Kinder zu versorgen, auch wenn es nicht immer perfekt ist.

Ich bin gespannt, wie es in Korea weitergeht. Während in den 90er-Jahren 115 Buben auf 100 Mädchen kamen so werden inzwischen angeblich auch wieder mehr Mädchen geboren.

Ein wichtiges Buch für den Feminismus in Asien.

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