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Vom Land

Lest, lest! Was für ein gutes, österreichisches Debüt.

Dominik Barta schreibt von Theresa. Sie ist Bäuerin in Oberösterreich. Die Kinder sind erwachsen, ausgezogen, interessieren sich nicht für den Hof. Die Arbeit ist hart. So rackern Theresa und ihr Mann Erwin alleine und ohne Ende. Mit sechzig wird Theresa krank, sie spricht nicht mehr, isst nicht, steht nicht mehr auf. All die Hilflosigkeit, die Wortkargheit und Gefühlsarmut der Familie klafft auf.

Sehr zurückgenommen erzählen die Beteiligten über ihr Leben, meist aber ist es ein auktorialer Erzähler, der zeigt, wie in der Familie Probleme angegangen werden. Manche Rezensionen bekritteln diese Erzählart, ich könnte mir keine passendere für diese Handlung vorstellen.

Eine weitere Ebene kommt ins Geschehen: Daniel, Theresas Enkel, lernt Toti, einen Flüchtling kennen. Es gibt einen Pater, der tatsächlich menschenfreundlich handelt, neue Möglichkeiten und Abgründe eröffnen sich.

Ab der ersten Seite war ich mitten im Roman, abgeholt, keine Zeile ist zu viel auf den nur 164 Seiten. (Ich liebe dünne Bücher.) Die Beschreibung der oberösterreichischen Landschaft erinnert mich an viele Sommerferien bei meiner Oma. Das harte Schuften in der Landwirtschaft, das karge Benennen von Gefühlen, die Voreingenommenheit zu Flüchtlingen, der Alltag, der verletzte Stolz, die Art, wie Theresa handelt, liest sich, als würde direkt von meinem Heimatdorf geschrieben. Ich bin wirklich sehr begeistert und wünsche dem Buch viele Preise im Herbst! Dominik Barta, bitte schreibe ganz bald ein weiteres Buch!

Vom Land ist bei Zsolnay erschienen.

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